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Von Büffeln, Bienen und einer besonderen Idee der Landwirtschaft

Imkerei Riedl

Kopfkraulen beim Wasserbüffel

Landg´macht - Regionale Produkte aus Altmühlfranken

„Ich habe wahrscheinlich die meisten Tiere im Landkreis, dabei aber die wenigste Fläche“, sagt Max Riedl und lacht. Der 31-Jährige aus dem Weißenburger Ortsteil Emetzheim ist ein Mann der landwirtschaftlichen Sonderfälle. Einer der wenigen Wanderimker des Landkreises, der mit seinen rund 70 Völkern durch die halbe Republik fährt, und der erste Wasserbüffel-Halter Altmühlfrankens.

Jetzt steht er in Emetzheim auf einem kleinen, länglichen Grundstück, am Rande des Hammerstadtgrabens, schiebt die Baseball-Cap auf seinem Kopf nach hinten, kratzt sich am Nacken und überlegt, wie es eigentlich genau zu all diesen außergewöhnlichen Dingen kam.

Nach einiger Zeit kommt er zu einer vorläufigen Antwort. „Naja, schon auch, weil ich ein bisschen spinn“, sagt er, zuckt mit den Schultern und lächelt.  Was Max Riedl mit „Spinnen“ meint? Vermutlich seine grundlegende, fast schon kompromisslose Begeisterung für die Landwirtschaft. Für das Kümmern um Tiere und Pflanzen, für die körperliche Arbeit an der frischen Luft, dafür zuzusehen, wie die Dinge wachsen und gedeihen.

„Ich wollte wirklich immer in die Landwirtschaft. Schon als Kind war klar, dass es was in der Richtung werden muss. Was anderes kam nicht in Frage.“ Dabei erlebte er die Landwirtschaft gar nicht mehr aktiv – zumindest nicht bei seinen Eltern. Eine Generation weiter allerdings gab es den Bezug.

Stroh für die Wasserbüffel verteilen

Eine Landwirtschaft von Früher

Der Großvater mütterlicherseits war einer der späten Vertreter jener dörflichen Landwirtschaft, in der man nicht Viel von Einem, sondern von Vielem ein bisschen gemacht hat. Er war Bauer, Metzger und Gastwirt in einem. „Er hat seine Schweine gefüttert, sie geschlachtet und in der Metzgerei und im Wirtshaus verkauft“, erzählt Riedl. Man spürt seine Sympathie für diese Art der Landwirtschaft. Genaugenommen war sein Großvater ein Direktvermarkter - wie sein Enkel nun auch – nur, dass sich der Großvater selbst wohl niemals so bezeichnet hätte.

Max Riedl imponiert es, wenn man das Wachsen und Werden von Anfang bis Ende begleitet. In der konventionellen Landwirtschaft von heute, müssen Landwirte Spezialisten sein, die in einem kleinen Bereich sehr gut sind. Sie müssen viel produzieren, um mit Menge auf dem Weltmarkt ihre höheren Produktionskosten auszugleichen. Das birgt die Gefahr, sich abhängig vom Markt und die ihn dominierenden Großunternehmen zu machen.

Bienen an der Arbeit: Sie geben den Nektar in die Waben ab

Das kleinste Nutztier

Max Riedl mag das nicht kritisieren, er ist ein überzeugter Fürsprecher der kleinen und mittelständischen bayerischen Bauern, die sehr genau wüssten, wie sie mit ihren Tieren, Äckern und Wiesen gut umgehen. Seine Idee von Landwirtschaft ist aber trotzdem eine andere. Eben die, von Anfang bis Ende einen Prozess zu begleiten. Nur, ohne einen elterlichen Bauernhof und die Maschinen, die Gebäude, die Flächen, die dazugehören, wird man nicht mal auf die Schnelle zum Milchbauern oder Schweinezüchter. Also konzentrierte sich Max Riedl auf das Kleinste zu haltende Nutztier, dass die hiesige Landwirtschaft so hergibt und das zugleich vielleicht auch noch das allerwichtigste ist:

Die Biene.


Gemeinsames Prüfen der Bienenstöcke

70 Völker stehen auf einer Wiese zwischen Streuobstbäumen, Hecken und Feldern nahe Emetzheim. Die Völker sind gerade dabei, die Arbeiter-Bienen für die beginnende Erntesaison schlüpfen zu lassen. Auf bis zu 3,5 Millionen Einzelindividuen wird seine Bienenherde in diesem Jahr noch anschwellen. Dass er die meisten Tiere im Landkreis hält, dürfte so gesehen also durchaus zutreffend sein.

Im Unterschied zu den meisten Imkern, die eher ein paar Völker als Hobby halten, sind die Bienen und ihr Honig für den 31-jährigen Emetzheimer ein wirtschaftliches Standbein. Im Frühjahr und im Sommer wandert er mit seinen Völkern, den Blüten nach. Die Obstblüte und den Raps nimmt er zuhause mit, dann geht es in den Schwarzwald, um Tannenhonig zu ernten, oder nach Rheinland-Pfalz, wo seine Tiere auf Edelkastanien Nektar saugen.

Wasserbüffel wollen Streicheleinheiten

Wie man aus Nichts viel macht

Wenn man es genau nimmt, ist Riedl ein Meister darin, aus Nichts etwas zu machen. Denn im Unterschied zu allen anderen Nutztieren, muss man bei Bienen das Futter nicht bezahlen – zumindest die meiste Zeit des Jahres. Der Imker darf seine Bienen kostenfrei aufstellen. „Die Bauern bekommen die Bestäubungsleistung der Bienen und ein bisschen Honig. Das wars“, erklärt der junge Emetzheimer.

Wenn man Bauer sein will, aber wenig hat, muss man eben kreativ sein. Und damit wäre man dann bei den Wasserbüffeln von Max Riedl und ein wenig auch bei seiner Großmutter väterlicherseits. „Meine Großmutter hatte einen freifliegenden Roten Ara, von ihr habe ich meine Faszination für exotische Tiere“, erzählt er. „Ich habe es einfach von beiden Seiten im Blut“, stellt er fest und meint die Landwirtschaft und die Liebe zu Tieren.

Der junge Landwirt steht jetzt steht inmitten von sechs gemütlichen Wasserbüffeln, die sich abwechselnd ihre Streicheleinheiten bei ihm abholen. Während er gerade davon erzählt, wie er die duldsamen Tiere das erste Mal in einem Fernsehbericht gesehen hat, wischt ihm eine der langen, weißen Zungen der Tiere quer übers Gesicht. Riedl verzieht kurz die Miene, tätschelt das ein paar hundert Kilo schwere Tier und schiebt es sanft ein wenig auf Distanz.

Wasser auffüllen

Vom Zoo auf die Weide

Eineinhalb Jahre sind die sechs weiblichen Wasserbüffel inzwischen alt, die mit vier Monaten nach Emetzheim kamen. „Wir haben die hier wirklich aufgezogen und waren jeden Tag draußen, da kriegt man schon eine enge Verbindung.“ Auch in diesem Fall hat der Emetzheimer einen spannenden Sonderweg gewählt. Denn die Wasserbüffel sind zwar gutmütige und faszinierende Tiere, es hat aber seinen Grund, warum man sie normalerweise im Zoo sieht und nicht auf altmühlfränkischen Weiden.

Sie lassen sich nicht auf engem Raum halten, sie wachsen langsamer und geben weniger Fleisch. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht sind sie ein Problem. Mehr Arbeit für weniger Ertrag. Dafür aber können sie etwas anderes. Ihr Name ist kein Zufall. Sie heißen Wasserbüffel, weil sie auch an extrem feuchten Standorten klarkommen. Wo andere Rinder längst knöcheltief im Schlamm versinken würden und sich die Klauen entzünden, können sich Wasserbüffel mit ihren speziellen Hufen immer noch gut fortbewegen. Außerdem sind sie beim Fressen keine Feinschmecker. Während moderne Hochleistungskühe hohe Ansprüche an ihre Nahrung haben, sind Wasserbüffel in der Lage auch Sauergräser, Schilf und andere nährstoffarme Pflanzen zu verdauen.

Die Riedls bei ihren Wasserbüffeln

Die Superkraft der Büffel 

Das ist sozusagen ihre Superkraft. Denn die Wasserbüffel sind für den Naturschutz interessant. Sie können dafür sorgen, dass Feuchtwiesen, die landwirtschaftlich nicht mehr zu bearbeiten sind, nicht mit Allerweltsarten wie Schilf zuwachsen und so ein offener Lebensraum bleiben, der für seltene Arten wie Wiesenbrüter, Orchideen und andere Experten der Feuchtwiesen zur Verfügung steht. Was die Schafe für die Trockenrasenhänge des Altmühltals, könnten die Wasserbüffel für die Altmühlauen sein.

Und nur so wird für Max Riedl ein Schuh daraus. Denn allein von der Fleischvermarktung der Büffel, die vermutlich 2028 beginnt, lässt sich kaum leben. Da der Naturschutz aber die Büffel braucht, um besonders wertvollen Flächen zu pflegen, gibt es auch hier Verdienstmöglichkeiten. In der Kombination der beiden Einkommensquellen hat Max Riedl mal wieder einen Weg gefunden, aus Nichts Viel zu machen und außerdem seine Idee von der Landwirtschaft umzusetzen.

Bretonische Zwergschafe mit mächtigen Hörnern

Denn für ihn ist es selbstverständlich, dass seine Büffelherde die nächsten Jahre wachsen soll, weshalb bald ein Stier die Herde ergänzen wird. Die Tiere sollen dann bei ihm geboren werden, aufwachsen, dem Naturschutz helfen und eines Tages geschlachtet werden. „Das gehört dazu, das ist für mich nicht das Problem, wichtig ist mir aber, dass wir das gut hinbekommen, dass es kein Stress für die Tiere wird.“

Am liebsten würde er das Schlachten wahrscheinlich auch noch selbst übernehmen. Aber einstweilen hat Riedl noch andere Probleme. Gerade versuchen zwei Büffel zeitgleich, sich Streicheleinheiten bei ihm abzuholen und ein paar Meter weiter blöken die bretonischen Zwergschafe um Aufmerksamkeit. Die wiederum wären eine eigene Geschichte, aber das ein anderes Mal.

Eine von vielen Geschichten aus der lebendigen Szene der Direktvermarkter in Altmühlfranken. Weitere Geschichten sowie Informationen und mehr finden Sie unter „Landg‘macht. Regionale Produkte aus Altmühlfranken“.

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